Das 18. Türchen

SONY DSC

Eine Fahrt mit dem [Express InterCity Premium] der PKP stand schon 2016 auf meiner Wunschliste, nur das Herbstwetter in Danzig war damals zu schlecht. Im April 2017 hätte das Wetter auch besser sein können, aber die Fahrt nach Warschau musste sein. Auch wenn mir klar war, dass eine Fahrkarte 1. Klasse teurer sein würde, als meine gesamten Reisekosten Mannheim – Danzig, Warschau – Mannheim (59,90€), ging ich an den Automaten um die teuerste Reisevariante zu wählen.

Wegen der Schlange ging ich dann doch zum InterCity-Schalter auf dem Danziger Hauptbahnhof. Ich kam zwar erst in fünf Minuten dran (in Frankenthal Hbf kann es auch 90 Minuten dauern), aber dafür standen Ledersessel bereit. Die freundliche Dame zauberte dann noch eine Ermässigung von 30% aus dem Bildschirm, Reservierung inklusive. Der IC EIP 5402 fährt von Gdynia (Gdingen, 7:27) in sechs Stunden durch Polen nach Gliwice (Gleiwitz, 13:36) bzw. von Gdańsk Głowny 7:53 nach Warszawa Centralna 10:40 Uhr. Er hält aber vorher bereits in Zoppot, Oliva und Langfuhr.

SONY DSC

Man wird wie hier gezeigt am Platz verwöhnt, das ist im Fahrpreis enthalten. Der Grossraumwagen ist 2+1 bestuhlt. Die Züge tragen nur Nummern, keine Namen wie die meisten IC und TLK.

SONY DSC

In der ersten Klasse geht es auch beim Personal legerer zu – und die Züge der PKP sind pünktlicher als die der DB.

SONY DSC

In Warschau habe ich mich am Nachmittag dann nochmal verwöhnen lassen – und Pendolino bin ich dann noch zweimal gefahren: Im Hans Walser der SBB und von Locarno nach Basel SBB mit der Trenitalia.

(Fotos: © Rudolf H. Boettcher, April 2017)

Advertisements

Das 17. Türchen

Die Marienkirche in Rendsburg

SONY DSC

Nächstes Jahr werde ich im 25. Jahr Familienforschung betreiben und von einer Sternstunde in diesem Hobby berichten können. Oft sind es die toten Punkte an denen man sich lange abarbeitet bis man irgendwo einen kleinen Hinweis findet, der bei der Überwindung des Punktes hilft. – Engländer und Amerikaner sprechen von der brick wall, der Mauer die zu durchbrechen ist. – Einen solchen toten Punkt hat mir mein Vater hinterlassen: eine Gude Abel wohl in Rendsburg bei der er nicht weiterkam. Nachdem ich schon Hinweise auf verschiedene Familien gesammelt hatte, kam der Durchbruch. – Mit dem Internet wäre das heute viel schneller gegangen.

SONY DSC

Die Ahnin Gude war eine Abelia und Gude war ihr Nachname. Die Gude waren Ratsherren in Rendsburg. Peter wurde Bürgermeister und hinterliess 1591 Geld um in der  Marienkirche eine neue Kanzel zu errichten. Seine Frau Tebbe hat 1597 diesen Wunsch erfüllt. Die Kanzel wurde am linken Mittelpfeiler angebracht, denn dort wurden  die Familienangehörigen begraben. Michael Gude, beider Sohn, starb mit 49 Jahren, er war selbstverständlich Ratsherr. Bei seiner Beerdigung wurden die Bodenplatten geöffnet und die Kanzel stürzte ein. Zwei Jahre später war die neue Kanzel fertiggestellt und wurde jetzt aber an der Mauerecke zwischen Chor und Querschiff errichtet. Tebbe hat das noch miterlebt. Stifter war ihr Enkel Michael, der an der Kanzel das Familienwappen mit dem Schachtelbalken anbringen liess. – Sein Sohn Marquard stiftete der Kirche die Gudesche Bibliothek mit dem Fragment einer Gutenbergbibel. Gestiftet hat die Familie noch fünf Schnitzfelder an der Orgelempore (1603) und mehrere Kirchenleuchter.

Ahn der Familien Jacob, Spatz und Lehmann ist Claus Gude, der Zwillingsbruder des Bürgermeisters. Sein Epitaph von 1589 befindet sich am linken Mittelpfeiler: Dosse Taffel heft Clave’s Gvde sampt – siner Frven vnd Kinder tho errer Gedech – tenisse inn de ere Gades maken laten – vnde geven im Iar anno 1589.

SONY DSC

Detail des Gude-Epitaphs, Gude-Wappen an der Kanzel, Inschrift der verwandten Sibbern. 

Noch grossartiger ist das Gedenken an die Vorfahren Plieningen und Gaisberg in der Georgskirche von Kleinbottwar zu denen letzlich die ganze Kirche gehört. (4. Advent)

(Fotos: © Rudolf H. Boettcher, September 2012)

Wegen Drosselung durch ein Giga-Upload mussten die eigenen Fotos nachgereicht werden.

Das 16. Türchen

Mit der Großkatze über die Memel

SONY DSC

Die Memel, der Fluss mit den vielen Namen: Nemunas – Нёман (Njoman) – Niemen –Неман (Neman) und Memel.

2016 fand die Zweite FAI-Weltmeisterschaft der Frauen im Heißluftballonfahren statt. Austragungsort war [Birštonas]  in [Litauen]. Weltmeisterin wurde wie schon 2014 in Leszno, Polen Nicola Scaife aus Australien.  – Mein Wettbewerbsblog ist hier zu finden: [birstonashotair.wordpress.com]  – da mein Holzhäuschen kein WLAN hatte, ist er etwas dünner als üblich.

Fiesta-Fahrt mit der Katze D-OMIK über die Memelschleifen. Es war eine grosse Fiesta mit achtzehn Ballons – die Wettbewerbsfahrt wurde an diesem Abend nach dem Start abgebrochen.

SONY DSC

Comtesse Brigitte von den Memelschleifen wurde nach ihrer ersten Ballonfahrt Gräfin der Lüfte.

SONY DSC

Das Holzhaus in dem ich eine Woche wohnte (hellbraun, ganz links in der Mitte). Aus dem Gewächshaus gab es sensationelle Gurken – eigentlich bevorzuge ich immer Zucchini – und die tägliche After-Ballooning-Party fand fast direkt vor dem Haus statt.

Ačiū Julia, Renata, Wilja, Erika, … Justas & Rolandas – and many thanks to the Japanese NIDEK team.

All the best Rudolfas Kubilius – Count Rudolf the hare hunter

(Fotos: © Rudolf H. Boettcher, Juli 2016)

Das 15. Türchen

SONY DSC

Gertrud Böttcher (* 20. September 1918 in Hamburg, † 20. November 2014 in R.)

1942 – 1955 Landwirtschaftslehrerin

1942–1945: Lehrerin an der Landwirtschaftsschule Östlich Neufähr (im Aufbau)
1942: Beratung im Werder
1942/1943: 2. Lehrerin an der Landwirtschaftsschule Zoppot
1943: Lehrerin an der Landwirtschaftsschule Östlich Neufähr und Dozentin an der Päd. Hochschule in Danzig
1944: Auflösung der Landwirtschaftsschule Groß Paglau bei Konitz
1945: Evakuierung aus Östlich Neufähr und Flucht nach Berlin

(Foto vom 20. September 2014)

SONY DSC

An der Landwirtschaftsschule in Zoppot traf meine Mutter die Schwester meines Vaters – zuerst als entsetzte Herbergsmutter, dann als skeptische Chefin und zuletzt als geschätzte Kollegin.

Foto: Die ehemalige Landwirtschaftsschule in Sopot (ul. Władysława Łokietka  – Konradshammerstr. 21).

SONY DSC

Zoppot Victoriastrasse 5 (5 Królowej Jadwigi): Hier traf mein Pfälzer Grossvater meine Danziger Grossmutter. – Vor der Hochzeit in Berlin trafen sie sich dann nur noch dreimal: Zu seiner Vorstellung bei ihrer Mutter in Zoppot,  zu ihrer Vorstellung bei seiner Mutter in München, zum Bestellen der Möbel in Schleswig-Holstein.

SONY DSC

Eine Mischung von Heimat und Jugendstil. – In beiden Häusern kann man übernachten, beim ersten Aufenthalt in Zoppot hatte ich ein Appartement in einem ähnlichen Haus schräg gegenüber. – In der Schule befindet sich heute ein Luxusappartement und Wohnungen.

SONY DSC

Foto ganz oben: Auch der Fernbahnsteig in Sopot ist inzwischen auf den historischen Stil zurückgebaut worden. Der Bahnhof selbst ist topmodern von 2015, u.a. mit der Sopoteka (Filiale der Stadtbücherei), großstädtisch nicht nur durch den Halt aller Fernzügeund für viele zu gross für die Kurstadt an der Ostsee.

(Fotos: © Rudolf H. Boettcher, September 2014 – Okt. 2016)

Das 14. Türchen

RWB_62

Rudolf Wilhelm Böttcher (* 14. Dezember 1905 in Danzig-Langfuhr, † 8. Juli 1986 in Beindersheim)

(Zeichnung: Tivoli, Kopenhagen – Sept. 1962)

SONY DSC

Er wurde nicht im berühmten Storchenhaus in Langfuhr geboren, wie viele bekannte Danziger. Sondern er kam als Hausgeburt im Brunshöfer Weg zur Welt (Der Beleg fand sich 2014 in der Kiste “zum Wegwerfen”, neben anderen wertvollen Dokumenten zur Familiengeschichte). Im Jahr nach seiner Geburt zog die Familie Max Böttcher in den ersten Stock des neu erbauten Hauses um. Die grössere Doppelhaushälfte im Robert-Reinick-Weg 8 in Langfuhr (Neu-Schottland) erwarb Max Böttcher von der Baugesellschaft. Die heutige Adresse ist 8 Saperów in [Wrzeszcz], die Hausnummer blieb hier die gleiche. Im Erdgeschoss hat eine Augenärztin ihre Praxis.

SONY DSC

Max Böttcher war beim grossen Jubiläum der Schichau-Werft 1937 mit 44 Dienstjahren der dienstälteste Ingenieur bei Schichau in Danzig. Schiffe hat er dort kaum gebaut, er war Spezialist für die Sparte “Repair”, wie sie auf Neudeutsch heisst.

[Hier weitere Jubilare der drei Schichau-Werften] (40+ Dienstjahre 1937)

SONY DSC

Wen die Stadt Danzig alle ihre Häuser sanieren würde, wäre sie pleite und viele Rentner könnten ihre Miete nicht mehr zahlen. Dies Haus im Robert-Reinick-Weg 14 wurde bis September 2015 privat saniert – der Schuttcontainer stand noch da.

SONY DSC

Zeitspuren in Neu-Schottland: Oben die alte deutsche Hausnummer, eine alte polnische in blau und die gegenwärtige Nr. 9b – passend zum Strassenschild.

(Fotos: © Rudolf H. Boettcher, September 2015)

 

Das zwölfte Türchen

Drei aufrechte Polen

Mit der Übernahme der Regierung in Polen hat die PiS den Begriff Patriotismus neu definiert und in diesem Sinne für sich gepachtet.

SONY DSC

Marek Prawda war Botschafter in Berlin und vertritt heute die Europäische Union in Brüssel, da auch er nach Antritt der PiS-Regierung entlassen wurde. Das Foto zeigt ihn im Europäischen Zentrum der Solidarność (ECS) am Vorabend seines sechzigsten Geburtstags. Seine englische Wikipedia-Biografie [en] ist wie das Portrait von mir.

(Foto: © Rudolf H. Boettcher, Okt. 2016)

 

Andrzej Byrt - by- Rudolf H Boettcher

Andrzej Byrt war Botschafter in Berlin, Paris und Monaco, sowie Direktor und Vorstandsvorsitzender der Posener Messe (MTP). Das Foto nahm ich im November in der Alten Aula der Heidelberger Universität auf, seine deutsche Wikipedia-Biografie verfasste ich gestern Nacht, die englische folgt. (Texte und Fotos: RHB, Lizenz: creative commons)

SONY DSC

Paweł Machcewicz ist der Gründungsdirektor des neuen Weltkriegsmuseums in Gdańsk (Danzig). Als Vertrauter von Donald Tusk und da er das Museum als Antikriegsmuseum und nicht patriotisch genug ausgerichtet hatte, wurde er im April 2017 entlassen. Das Foto zeigt ihn an seinem letzten Arbeitstag. Gestern hat er sein neues Buch “Muzeum” in Sopot (Zoppot) vorgestellt. Zum Weiterlesen: Grablichter für das Weltkriegsmuseum in Danzig

(Alle Texte und Fotos von RHB, Lizenz: creative commons)

Großes Foto: Innenansicht des Europäischen Zentrum der Solidarność (ECS) in Danzig

(Fotos: © Rudolf H. Boettcher, Okt. 2016 – Nov. 2017)